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1. Der Turm

 

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Der Turm ist das älteste Bauteil unserer Kirche. In seiner heutigen Gestalt wurde er in der 1. Hälfte des 15.Jahrhunderts errichtet und stand mehr als 50 Jahre vor der viel kleineren Vorgängerkirche, bis diese Ende des 15. Jahrhunderts abgebrochen wurde, um dem heutigen Kirchengebäude Platz zu machen.

 

 Wir betreten die Kirche durch die Turmhalle. Das Erdgeschossmauerwerk stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und ist damit das älteste noch vorhandene Mauerwerk des Kirchengebäudes. Man nimmt an, dass der Turm um 1250 zur Zeit der Stadtwerdung Northeims vor die bis dahin wahrscheinlich turmlose Vorgängerkirche gesetzt wurde. Wie dieser Turm und die damalige Kirche aussahen, ist heute leider nicht mehr rekonstruierbar.


Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der alte, noch aus der romanischen Bauepoche stammende Turm bis zur Höhe des an der Außenseite sichtbaren Gesimses abgetragen und in seiner heutigen Form mit den Schallöffnungen, der Glockenstube und dem Turmhelm aufgeführt. Die drei Glocken in der Stimmung d - f - g läuteten bereits zur Zeit der Vorgängerkirche. Zwei stammen aus dem 13. u. 14. Jahrhundert, während die größte mit einem Gewicht von 3700 kg im Jahr 1445, wahrscheinlich aus Anlass der Fertigstellung des neuen Turmes, gegossen wurde.

Von den vier paarigen Schallöffnungen werden die nach Osten weisenden heute durch das wesentlich höhere Dach des Kirchenbaues verdeckt, was bei der Vorgängerkirche sicherlich nicht der Fall war. Daraus ist ersichtlich, dass diese niedriger und folglich auch beträchtlich schmaler war als die heutige Kirche.
      
Das Kreuzrippengewölbe als oberer Raumabschluss der Turmhalle weist am Kreuzungspunkt der Gewölberippen einen runden Schlussstein auf: Lamm Gottes mit Kreuz und Fahne, als Zeichen des siegreichen Christus, eine recht naturalistische Darstellung. Das Gewölbe wurde im Zuge des Neubaues gegen 1500 anstelle der ursprünglichen flachen Holzdecke eingezogen. Die in den Ecken weit heruntergezogenen Kreuzrippen lagern auf vier Konsolen, die von ernst blickenden Männerköpfen gebildet werden (einer ist zerstört). Diese figürlichen Darstellungen stammen wahrscheinlich aus dem romanischen Vorgängerbau und fanden hier eine Wiederverwendung.

   
Turmhalle_Maennerkoepfe2.jpg  Turmhalle_Maennerkoepfe.jpg


Die goldene Turmkugel

Der Turm ist 62 m hoch und trägt als Abschluss eine goldene Kugel mit aufgesetzter Wetterfahne. Die Kugel enthält Dokumente, Urkunden und Münzen für die Nachwelt. Die Wetterfahne zeigt das Wappentier der damaligen welfischen Landesherrschaft, einen Löwen oder Leoparden. Nach einem Kirchturmbrand durch Blitzschlag im Jahre 1836 wurden das Turmdach, die Kugel und die Wetterfahne erneuert. 


Ein gedrehter Kirchturm

 

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Auffallend ist die Drehung der Turmspitze. Dass die Ursache hierfür eine die Witterungseinflüsse nicht genügend berücksichtigende Statik der Holzkonstruktion sei, ist nur eine Annahme. Ebenso gut kann die gedrehte Turmspitze auch Ausdruck einer uns nicht mehr bekannten künstlerischen oder theologischen Aussage sein. Unabhängig davon, stellt der im Uhrzeigersinn verdrehte Turmhelm ein Meisterwerk alter Zimmermannskunst dar.

 

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Seit 1619 war es bereits achtmal notwendig geworden, infolge von Unwettern oder Bauschäden die Turmspitze zu erneuern. Der gesamte Turm musste 2006 von Grund auf saniert werden, und die Gelegenheit wurde genutzt, um auch Turmkugel und Wetterfahne zu restaurieren und neu zu vergolden. Dabei wurden auch die seit Jahrhunderten in der Kugel angesammelten Dokumente um aktuelles Material ergänzt. Einzelheiten dazu im Northeimer Jahrbuch 2007.

 

 


 

 
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