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 5. Wendelstein und Bußkammer

 

Wendelsteintotal.jpg

   

Am östlichen Ende des nördlichen Seitenschiffes erblickt man, für das Innere einer Kirche etwas überraschend, einen Treppenturm, den so genannten Wendelstein, der sich als Dreiviertelkreis in das Kircheninnere wölbt. Die steile Wendeltreppe dient als Aufgang zu der über der Sakristei liegenden Bußkammer und weiter in den Dachraum über dem Gewölbe

 

 

Bis vor kurzem war in der Bußkammer die durch Stiftungen und Nachlässe reichhaltige und wertvolle Kirchenbibliothek untergebracht. Wegen des steilen und beschwerlichen Aufstieges hat diese nunmehr einen anderen Platz gefunden. Von der Höhe des Balkons führt die Wendeltreppe weiter in den Dachraum der Kirche oberhalb der Gewölbe. Das Streben- und Balkenwerk des gewaltigen Dachstuhls zeugt hier von der handwerklichen Fertigkeit unserer Vorfahren

 

 

 

1519 - Das Ende der Bauarbeiten?

 

Ob die Jahreszahl 1519 über der Tür die Fertigstellung des Wendelsteins bezeichnet, ist fraglich, denn man geht davon aus, dass die Sakristei und die darüber liegende Bußkammer bereits 1478 zusammen mit dem Chor erbaut wurden. Wie hätte man ohne Treppe in die Bußkammer gelangen können?

 

Eher gibt die Jahreszahl die Beendigung der eigentlichen Bauarbeiten an der Kirche an. Möglicherweise bezeichnet sie auch das Datum einer Stiftung. denn die Wappen beiderseits der Jahreszahl deuten auf die Alt-Northeimer Familie Ruman hin.

 

SegnenderChristus.jpg

Über dem Türsturz sieht man einen

segnenden Christus

 

 

 

Auf den Spuren der Sünder

 

Beim Eintritt des Wendelsteins in das Gewölbe erblickt man ein unbekleidetes Meerweib mit menschlichem Oberkörper und zwei Fischschwänzen. Dieses für einen Kirchenraum ungewöhnliche Bild einer Nixe oder eines Wassergeistes, welches das Sinnliche und Dämonische symbolisiert, ist im Zusammenhang mit dem Vergehen des Büßers bzw. der Büßerin zu sehen. Diese betraten über einen kleinen Balkon, vom Kirchenschiff aus für jedermann sichtbar, die Bußkammer.

 

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Teufelsfratze

Meerweib

 

Die Konsolfigur unter dem Balkon stellt eine Teufelsfratze dar, die ihren Kopf zwischen den Beinen trägt. Sie ist im gleichen Zusammenhang zu sehen wie die Nixe.

 

 

 

 

 

In der südlichen Wand zum Chor hin befindet sich hinter einer Klappe ein Drudenfuß bzw. Pentagramm, welches man vom Kirchenschiff gut sehen kann. Dieses magische Zeichen diente zur Abwehr des Bösen. In der Bußkammer, von der Gemeinde durch die mit dem Drudenfuß versehene Wand optisch getrennt, konnte der Büßer dem Gottesdienst nur hörend folgen.

rundweg54.png

 

Die Praxis der öffentlichen Kirchenbuße und die beschwörende Darstellung des Bösen und Sinnlichen ist für uns heute undenkbar. Diese Darstellungen zeigen, wie weit unsere Anschauungen von denen der damaligen Menschen entfernt sind.

 

 

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