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 7. Der Hochaltar

 

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Der Hochaltar in St. Sixti ist mit seiner theologischen Aussage als Marienaltar zu deuten. Er ist etwa um 1420/30 entstanden und zeigt die Krönung Mariens. Er ist eine norddeutsche Arbeit und hat schon der Vorgängerkirche als Hochaltar gedient. Der Altar ruht auf einem mächtigen Block aus Bruchsteinmauerwerk. Die starke Platte des Tisches besteht aus rotem Sollinger Sandstein, fugenlos aus einem Stück gearbeitet mit 3,40 m Länge und 1,47 m Breite. Eine 0,75 m hohe Predella (Sockel) trägt das Triptychon (dreiteilige Altarbild).

 

 

 

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Krönung Mariens zur Himmelskönigin

 

Das Zentrum des Mittelschreins nimmt die Darstellung der Krönung Mariens zur Himmelskönigin durch Christus ein. Um die Thronbank herum ist ein Kreis kleiner Engel angeordnet, die den Akt der Krönung mit ihren Musikinstrumenten begleiten. Wir haben es bei diesem Altar mit einem Beispiel spätmittelalterlicher Marienverehrung zu tun, die ihre biblischen Quellen in Matth.1, 18 - 21 und Lukas 1+2 (Ave Maria Lk.1.28; Segensgruß der Elisabeth Lk.1,42: Magnifikat 1,k.1.46 ff) hat, und die im Konzil zu Ephesus 431 ihre erste kirchliche Bestätigung gefunden hatte: Maria wurde dort als Gottesgebärerin (Theotokos) anerkannt. Dieser Konzilsbeschluss gibt der Marienverehrung neue Impulse: die Gottesmutter beginnt eine zentrale Gestalt der Christusgeschichte zu werden, ja, sie wird selbst zum autonomen Bildthema und mit kaiserlichem Purpur bekleidet (5.-7.Jahrhundert im griechisch-byzantinischen Kulturkreis). Das Abendland übernimmt u.a. die Bildform der thronenden Gottesmutter, die ihren Sohn vor sich auf dem Schoß hält und so zum Thronsitz des Christuskindes wird, den sie der Welt zum Heil vorstellt. Bis in das 13. Jahrhundert hinein bestimmt diese Form die Marienverehrung. Bald wird Maria als Regina coeli, als Himmelskönigin verehrt, die zugleich Regina angelorum, die Königin der Engel ist. Die Krönung Mariens - die Anfänge liegen schon im 11. Jahrhundert - wird zu einem Hauptthema der Gotik: Gottvater und Christus oder die Dreifaltigkeit vollziehen den Krönungsritus im offenen strahlenden Himmel unter dem Jubel der Engel und Heiligen. So finden wir auch in unserem Altar im Mittelschrein den Kreis musizierender Engel.

 

 

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Dargestellt sind darüber hinaus die Schutzheiligen von Kirche und Kloster, nämlich die Heiligen Sixtus und Blasius, zusammen mit Johannes dem Täufer bzw. Johannes dem Evangelisten. In den Seitenflügeln und der Predella finden sich die 12 Apostel. Im linken Seitenflügel sind von l.n.r. Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä. und Matthäus, im rechten Thomas, Matthias, Paulus und Bartholomäus zu sehen.

 

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In der Predella mit ihren fünf Nischen, deren mittlere geschlossen ist und ehemals zur Aufnahme des Allerheiligsten bestimmt war, sehen wir die Apostel Philippus, Jakobus d.J., Simon und Judas Thaddäus.

 

Die theologische Begründung der Krönung Mariens, wie sie im Sixti-Hochaltar zu sehen ist, wird aus dem Hohelied Salomos hergeleitet: der Bräutigam macht seine Braut zur Genossin seines Thrones und seiner Krone (Hohelied 4,8:"Komm meine Braut, du sollst gekrönt werden") und aus dem mariologisch interpretierten Psalm 45,10 vom König und der Königsbraut. Der liebende Sohn teilt seine königlichen Ehren mit seiner Mutter.

 

Schließt man - z.B. in der Karwoche - die beiden Seitenflügel, dann sieht man außen zwei gemalte Szenen aus der Passionsgeschichte: links die Geißelung Christi und rechts die Kreuztragung.

 

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Altarflügel - Rückseite

 

Das Kruzifix überragt den Mittelschrein des Altars. Die Enden der Kreuzesarme zeigen die Symbole der vier Evangelisten. Es ist etwa um 1510 entstanden und ist sicher nicht für den Altar bestimmt gewesen. Es könnte als Vortragekreuz bei Prozessionen verwendet worden sein und später - in protestantischer Zeit - über den Altar gesetzt worden sein.

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Abschließend:

Es ist erstaunlich, dass dieser Marienaltar auch die protestantische Zeit der

St.-Sixti-Kirche von der Reformation 1539 bis heute überstanden hat.

Bei der Kirchenrenovierung 1910 stand sein Verbleib in der Kirche im Kirchenvorstand zur Debatte, da man der Meinung war, dass solch eine Zeugnis katholischer Frömmigkeit in einer evangelischen Kirche fehl am Platz sei.

 

 

 

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